Vorreiter in der Wirbelsäulenchirurgie

Verkürzung des Krankenhausaufenthaltes und bessere Heilungschancen durch neue Wege

In der modernen Medizin ist ein Ziel, chirurgische Eingriffe so effizient und schonend wie möglich zu gestalten, um Patienten schnelle Erholung und möglichst geringe Belastung zu ermöglichen. Ein Beispiel für diese Entwicklung ist das Fast-Track-/periTRACK-Programm, das im vergangenen Jahr in der Wirbelsäulenchirurgie des St. Marien- und St. Annastiftskrankenhauses implementiert und ausgebaut wurde.

Das Wirbelsäulenzentrum unter der Leitung von Dr. med. Michael Breitenfelder war die erste Einrichtung in Deutschland, die das periTRack-Konzept für degenerative Wirbelsäulenerkrankungen umsetzte. Das umfassende Konzept zielt darauf ab, die postoperative Genesung der Patienten durch eine optimierte medizinische, physiotherapeutische und pflegerische Betreuung zu beschleunigen. Fast-Track-Chirurgie ist schon an vielen Standorten, vor allem für die Bauchchirurgie und Endoprothetik, Standard. Wirbelsäulenchirurgische Fast-Track-Konzepte ließen sich dagegen durch die Komplexität der Operationen noch nicht erfolgreich umsetzen. Das hat sich durch die Erfahrungen in Ludwigshafen geändert.

Das multimodale Behandlungskonzept fließt im Wirbelsäulenzentrum des St. Marien- und St. Annastiftskrankenhauses im Rahmen der prä-, peri- und postoperativen Versorgung ein. Ziel ist es, dass Patienten möglichst schnell ein hohes Maß an Autonomie und Selbstständigkeit zurückerlangen und der Genesungsprozess damit beschleunigt wird. Patienten werden nach dem chirurgischen Eingriff bereits nach kürzester Zeit mobilisiert und der Heilungsprozess aktiv gefördert.

Grundidee ist, dass chirurgische Eingriffe nicht nur technisch erfolgreich sein müssen, sondern auch der gesamte Behandlungsprozess darum herum so gestaltet wird, dass der Patient schnellstmöglich wieder zu seiner gewohnten Lebensqualität zurückkehrt. Daraus ergeben sich deutliche Vorteile für die Patienten, die selbst viel zum Behandlungserfolg beitragen. Über die Fast-Track-Assistenz erfolgt eine Eins-zu-Eins-Betreuung. Patientinnen und Patienten haben damit über den gesamten Verlauf der Behandlung – von der Vorbereitung bis zur Nachsorge – einen festen Ansprechpartner in der Klinik, für Fragen, aber auch zur Motivation und Mobilisation.

Stärkende Trinknahrung, spezielle Übungen zur Vorbereitung zu Hause, Anregung des Stoffwechsels, Aufstehen bereits am OP-Tag, unter Anleitung und alleine Bewegungen und Übungen ausführen, und jeden Tag des Krankenhausaufenthaltes das Bett länger verlassen sowie immer mehr Schritte absolvieren, sind wichtige Elemente. Aber vor allem das Verständnis für die eigene Rolle im Heilungsprozess und die Bereitschaft mitzuwirken, ermöglichen eine deutliche Verkürzung des Krankenhausaufenthaltes und Reduzierung von Komplikationen. „Durch ausführliche Informationen bereits vor der Operation wissen Betroffene, was sie erwartet, welche Aussichten sie haben und dass sie nach jahrelangen Schmerzen wieder fit und mobil sein können, das motiviert“, erklärt der verantwortliche Wirbelsäulenspezialist Breitenfelder.

Bei der Operation kommen (wie bereits vorher) modernste, evidenzbasierte chirurgische Techniken sowie Anästhesieverfahren und Schmerzkontrolle zum Einsatz. Optimiert wurde die Form der Aufklärung und Ansprache in Kombination mit intensiver Betreuung, die bereits vor der OP beginnt und den Bogen bis ins häusliche Umfeld spannt. Patienten erhalten durch die Einbindung in das Therapiekonzept eine aktive Rolle im eigenen Genesungsprozess. Das gilt für die Zeit vor der Operation, den Krankenhausaufenthalt und die Zeit zu Hause. Sie werden umfassend über den Ablauf der Operation aufgeklärt, erhalten gezielte physiotherapeutische Übungen und Aufgaben und können sich mental auf den Eingriff vorbereiten. Inzwischen verstärkt auch ein Neurochirurg das Team.

Der Vorteil für Patienten, die im Rahmen des Fast-Track-Verfahrens behandelt werden, ist vor allem die signifikante Verkürzung der Erholungszeit. Typischerweise können Patienten, die eine Wirbelsäulenoperation durchlaufen haben, bereits am OP-Tag mobilisiert werden. Sie stehen auf, gehen kurze Strecken und nehmen aktiv an ihrer eigenen Rehabilitation teil. Durch frühzeitige Ausweitung der Schmerztherapie können postoperative Schmerzen kontrolliert werden.

Die Erfahrungen haben gezeigt, dass jeder Patient von der intensiven Betreuung und den Anregungen des Fast-Track-Programms profitiert. „Die Menschen sind deutlich fitter nach der Operation“, freut sich Dr. med. Michael Breitenfelder. Ein großer Vorteil ist die Verkürzung des Aufenthalts im Krankenhaus. Die meisten können bereits nach vier bis sieben Tagen entlassen werden, was für sie eine erhebliche Entlastung bedeutet. „Die frühzeitige Einbindung von physiotherapeutischen Übungen und Anleitungen und die proaktive Betreuung ermöglicht Patienten eine schnellere Rückkehr in ihre gewohnten Aktivitäten. Dies hat positive Auswirkungen auf die körperliche Heilung und auf die Psyche“, so der Spezialist.

Bestes Beispiel ist ein 43-jähriger Patient, der über Jahre durch Gleitwirbel Probleme hatte, und nicht mehr lange laufen oder stehen konnte. Er stand bereits am OP-Tag auf und war danach fast nicht mehr im Bett anzutreffen, dafür erkundete er das Krankenhaus und den Park. Inzwischen kann er mehrere Kilometer laufen, Fahrrad fahren und Treppen steigen. „Er lässt sich keine Gelegenheit zur Bewegung entgehen“, beschreibt der Mediziner stolz. Nur ein Fall, der das Team der Wirbelsäulenchirurgie und Anästhesie, Stationsärzte, Pflegende, Physiotherapie, Krankenhaussozialdienst und das Team aus dem Patientenaufnahmezentrum, gemeinsam mit der Fast-Track-Assistentin, für ihre Arbeit motiviert.

Die im vergangenen Jahr in der Wirbelsäulenchirurgie gemachten Erfahrungen sollen jetzt auch bei anderen komplexen Operationen und Patientengruppen angewendet werden. „Das moderne Konzept bedeutet erhebliche Umstellung von Prozessen und ist für unsere Mitarbeitenden mit Umdenken und Herausforderungen verbunden. Es trägt aber dazu bei, die Patientenversorgung auf ein neues Level zu heben – und das mit einem klaren Fokus auf Effektivität, Patientenzufriedenheit und nachhaltiger Heilung. Damit ist es ein wichtiger Baustein zur Weiterentwicklung und Stärkung des Krankenhauses“, zieht Jürgen Will, Leiter Verwaltungsmanagement und Prokurist, das Fazit.