Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen – wie gehe ich damit um?

Informationsveranstaltung für Betroffene und Eltern am Samstag 18. August 10.00-13.00 Uhr

Am Samstag, dem 18. August 2012 (10.00-13.00 Uhr) führt die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus das erste mal eine Informationsveranstaltung „Epilepsie – wie gehe ich damit um?“ zum Thema Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen für Eltern und Betroffene durch.

Die Veranstaltung im St. Annastiftskrankenhaus in Ludwigshafen-Mundenheim richtet sich an Eltern, die ein Kind mit einer Epilepsie haben. Die Veranstalter laden aber auch ältere betroffene Kinder und Jugendliche und Interessierte ein, sich weiter über die Krankheit zu informieren.

An dem Vormittag soll unter anderem über die Hintergründe gesprochen werden, warum und wie eine Epilepsie entsteht. Thema ist auch, welchen Einfluss die Diagnose Epilepsie auf den Besuch des Kindergartens und der Schule hat oder was beim Sport beachtet werden muss. Alltägliche Fragen, wie nach dem Fahrradfahren oder der Möglichkeit einen Mofa- oder KfZ-Führerschein zu machen, werden beantwortet. Darüber hinaus sprechen die Spezialisten über Probleme, auf die Teenager besonders zu achten haben wie Pille, Schwangerschaft oder Alkohol. Inhalt ist auch, wie Epilepsie behandeln werden kann. Hierbei wird die Behandlung mit Medikamenten erläutert, beleuchtet, ob Änderungen der Lebensführung die Epilepsie beeinflussen können und über spezielle Diäten gesprochen.

Die Spezialisten Prof. Dr. med. Dietz Rating und Oberarzt Dr. med. Michael Viellieber umreißen die verschiedenen Aspekte der Erkrankung in einer kurzen Einführung. Den Veranstaltern ist es aber vor allem wichtig, dass sehr viel Zeit für Fragen zur Verfügung steht und dass Eltern und Betroffene über ihre eigenen Erfahrungen berichten und miteinander ins Gespräch und in Kontakt kommen. Die Veranstaltung ist kostenfrei, eine Anmeldung ist nicht notwendig.

Epilepsie
Epilepsie ist eine sehr häufige Erkrankung des Erwachsenen und des Kindesalters. Nur wenn Anfälle auftreten, die nicht durch äußere Ereignisse hervorgerufen werden, wenn gewissermaßen das Gehirn aus sich heraus einen Anfall hervorbringt, spricht man von einer Epilepsie. Prinzipiell kann jeder Mensch einen Krampfanfall bekommen, z.B. wenn der Blutzucker abrupt fällt, die Körpersalze nicht richtig reguliert werden oder er einen Unfall mit einem Schädel-Hirntrauma erfährt. Etwa fünf Prozent aller Kinder werden einmal im Rahmen eines fieberhaften Infektes und durch das Fieber/die Infektion hervorgerufen einen Krampfanfall erleiden. Für Deutschland muss man davon ausgehen, dass 0,7 Prozent der Bevölkerung an einer Epilepsie leiden; das wären für die Stadt Ludwigshafen mit einer Einwohnerzahl von 168.000 Menschen gut 1.200 Betroffene mit Epilepsie. In der Metropolregion rund um Heidelberg-Ludwigshafen-Mannheim mit einer Einwohnerzahl von drei Millionen Menschen sind das 21.000 Betroffene. Mediziner teilen Epilepsien in zwei Gruppen ein: Gesprochen wird von einer fokalen Epilepsie, wenn nach einem Trauma beziehungsweise einer Entzündung eine Hirnnarbe vorliegt oder auf Grund von Fehlbildungen des Gehirns die Architektur der Hirnstrukturen und dadurch die Verbindungen zwischen den Nervenzellen gestört ist. Auf der anderen Seite gibt es Epilepsien, bei denen davon ausgegangen wird, dass erbliche Faktoren die größte Rolle spielen.

Epilepsie bei Kindern und Jugendlichen
Etwa zweidrittel der Epilepsien beginnen im Kindesalter – das Thema Epilepsie ist daher für das Kindesalter eminent wichtig. Besonders die Eltern der Betroffenen leiden stark darunter, dass sie ihren Kindern bei einem Anfall nicht direkt beistehen können. Nach Anamnese und Diagnostik, die von Fachleuten vorgenommen werden sollte, sind - je nach Häufigkeit der Anfälle gestaffelt - regelmäßige Besuche in der Klinik notwendig. Dafür legen Eltern und Kinder oft weite Wege zurück, was weitere Belastungen für die Familie nach sich zieht. 65 bis 70 % der Betroffenen können aber durch die Behandlung mit Medikamenten anfallsfrei werden.

Diagnostik und Behandlung in Ludwigshafen
Kinder und Jugendliche mit Epilepsie werden im St. Annastiftskrankenhaus in Ludwigshafen-Mundenheim diagnostiziert und betreut. Im Jahr werden etwa 200 bis 250 Kinder und Jugendliche mit Epilepsie beziehungsweise Krampfanfällen stationär im St. Annastiftskrankenhaus behandelt und weitere kleinere Patienten ambulant gesehen. Patienten in diesem Bereich kommen aus Ludwigshafen, aus der ganzen Pfalz und sogar aus dem Saarland. In der Behandlung wird eng mit niedergelassenen Kinder- und Jugendmedizinern und den Epilepsiezentren in Kork, Heidelberg und Freiburg zusammen gearbeitet. Die Kinder und Jugendlichen und ihre Familien werden dabei über einen langen Zeitraum begleitet und kommen manchmal monatlich in die Klinik.

Eines der wichtigsten diagnostischen Mittel ist das Elektroenzephalogramm (EEG), bei dem die Hirnströme durch schmerzfreies Anbringen von Elektroden auf der Kopfhaut gemessen werden können. Das EEG erlaubt den Medizinern, Krampfanfälle exakter zu erfassen – Voraussetzung für die Therapie und Wahl des geeigneten Medikamentes. Für diese Untersuchung steht inzwischen ein hochmodernes digitales 24-Stunden-Video-EEG, bei dem fortlaufend über mehrere Tage und Nächte die Hirnstromkurve und der klinische Anfall erfasst werden kann, sowie für Neugeborene ein amplitudenintegriertes EEG zur Verfügung. Auch die im St. Annastiftskrankenhaus angebotene bildgebende Diagnostik (incl. Schädelsonographie, Computertomographie, Kernspintomographie) trägt wichtige Informationen zur Erkennung und Behandlung der unterschiedlichen Erkrankungen des kindlichen Nervensystems bei. Hier wird eng mit der Sektion Kinderradiologie unter der Leitung der Fachärztin für Radiologie und Kinderradiologie Priv.-Doz. Dr. med. Wiltrud Rohrschneider zusammen gearbeitet.

Am St. Annastiftskrankenhaus soll das erste von der Deutschen Gesellschaft für Epileptologie (DGfE) zertifizierte Epilepsiezentrum für Kinder und Jugendliche in Rheinland-Pfalz aufgebaut werden. Ein wichtiger Schritt ist die gerade vorgenommene Einrichtung eines 24-Stunden-Video-EEG-Meßplatzes und eines Schlaflabors. So können die verschiedenen Ausnahmezustände und Epilepsien genauer klassifiziert werden, was die Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapiestrategie ist. Schulungen für Kinder und Jugendliche und ihre Familien sind in Vorbereitung.

Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit chronischen Erkrankungen
Das St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus hat vor mehreren Jahren beschlossen, zusätzlich einen Schwerpunkt der Versorgung auf Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen zu legen. Betroffene leiden an Diabetes, endokrinologischen Krankheiten, chronischen Lungen- oder Magen-Darm-Erkrankungen, Asthma oder bedürfen als ehemalige Frühgeborene eine besondere Nachsorge. Hierfür ist aktuell ein Kinderzentrum für chronische Erkrankungen in Aufbau. Neuropädiatrie ist dabei eine wichtige Aufgabe. Ein Schwerpunkt liegt neben der Schmerzmedizin unter anderem auf der Diagnostik und Behandlung von Epilepsie im Kinder- und Jugendalter. Diagnostik und Therapie von zerebralen Anfallsleiden mit Krampfanfällen, chronischen Kopfschmerzen, Funktionsstörungen der Hirnnerven, psycho- und statomotorischer Entwicklungsverzögerung sowie muskulären Erkrankungen sind weitere Aufgaben. Seit Januar 2009 arbeitet zusätzlich der emeritierte Direktor der Abteilung Neuropädiatrie der Universitätskinderklinik Heidelberg Prof. Dr. med. Dietz Rating als Kooperationspartner in der Klinik, der zusammen mit dem neuropädiatrischen Oberarzt Dr. med. Michael Viellieber die Kinder und Jugendlichen und ihre Familien betreut.

Veranstaltungsinformationen
Epilepsie – wie gehe ich damit um?
Eine Informationsveranstaltung für Betroffene und Eltern
Samstag, 18. August 2012, 10.00-13.00 Uhr
St. Annastiftskrankenhaus
Karolina-Burger-Straße 51
67065 Ludwigshafen-Mundenheim
Die Veranstaltung ist kostenfrei
eine Anmeldung ist nicht notwendig.

Veranstaltung für Fachleute
Eine Veranstaltung für Fachleute zum Thema Neuropädiatrie im St. Annastiftskrankenhaus findet am 29. August 2012 um 16 Uhr statt.

Tag der offenen Tür im St. Annastift am 22.09.2012
Herzlich sind alle Interessierten auch zum Tag der offenen Tür im St. Annastift am 22. September 2012, 10.00-17.00 Uhr mit einem bunten Mitmachprogramm, Attraktionen, Fachvorträgen und Führungen eingeladen.