Tagesklinik

Tagesklinik - das bedeutet

Eine Tagesklinik kommt als Behandlungsmöglichkeit insbesondere in Frage, wenn eine ambulante Behandlung nicht ausreichend ist, eine vollstationäre Behandlung so vermieden werden kann oder auch als Nachbehandlung nach einem vollstationären Aufenthalt. Das Kind bzw. der Jugendliche übernachtet zu Hause, ist dort auch am Wochenende und bleibt so in seinem sozialen Umfeld. Die Familien werden eng in die Behandlung einbezogen.

Die Aufnahme in die Tagesklinik soll daher nicht als "Fremdunterbringung" und Trennung von den Eltern oder Sorgeberechtigten gesehen und verstanden werden, sondern als ein Schritt zur Trennung von alten Verhaltensweisen und Möglichkeit neue auszuprobieren. Diese Behandlung ist der Beginn einer neuen Zukunft, nicht das Ende eines Prozesses der Niederlage.

Während der Behandlung findet eine intensivierte Familientherapie statt. Sie wird durch das soziale Lernen in einer Gruppe von etwa zehn Kindern bzw. Jugendlichen ergänzt. Auch die kreative Arbeit (Heilpädagogik, Ergotherapie, Bewegung) spielt eine wesentliche Rolle, denn Menschen nehmen nicht nur über das gesprochene Wort, sondern auch über gemeinsames Handeln Beziehungen auf. Die Kinder bzw. Jugendlichen werden zudem beschult. Die Patientenfamilien werden während der gesamten Behandlung von fallverantwortlichen Therapeuten und Bezugsbetreuern begleitet, die für einen regen Austausch mit den auch während der Behandlung voll verantwortlichen Sorgeberechtigten sorgen.
 
Die Kinder können die Erfahrungen aus der Klinik unmittelbar zu Hause im Alltag erproben. So können sie sich besser in ihr soziales Umfeld, z.B. in der Schule, reintegrieren. Insbesondere Kinder bzw. Jugendliche mit schulischen Entwicklungsschwierigkeiten profitieren von einer gemeindenahen tagesklinischen Diagnostik und Behandlung.
 
Die Kinder haben ihre Auffälligkeiten innerhalb der Familie entwickelt, die nun auch gemeinsam Lösungswege gehen muss. Eine vollstationäre Behandlung kann für diese Altersgruppe (unter 15 Jahren) nur selten - abgesehen von kurzen stationären Kriseninterventionen - begründet werden. Vollstationär behandelte Jugendliche benötigen oft aber noch eine tagesklinische Weiterbehandlung, um zu lernen, ihre Alltagsanforderungen in Schule und Familie mit intensiver therapeutischer Unterstützung zu bewältigen.

Wann ist eine tagesklinische Behandlung nicht sinnvoll?

Tagesklinisch können Kinder und Jugendliche nicht behandelt werden, wenn

  • eine geschlossene oder intensiv-medizinische Behandlung notwendig ist
  • das Kind schwerst geistig behindert ist
  • eine schwer kontrollierbare Sucht besteht
  • das Kind bzw. der Jugendliche sich in einem erheblichen und dauerhaften Maß aggressiv verhält und sich auch nicht an die Rahmenbedingungen der Tagesklinik anpasst
  • das Familiensystem zu wenig tragfähig ist, um den täglichen Wechsel zwischen Tagesklinik und Familie zu bewältigen und mit der Tagesklinik verlässlich zu kooperieren
  • an den Abenden bzw. Wochenenden ernsthafte psychische Krisen häufig und wenig vorhersehbar auftreten
  • Akute Eigen- oder Fremdgefährdung sind  zwingende, eine allzu große Entfernung des Wohnortes von der Tagesklinik (d.h. eine einfache Wegstrecke länger als eine Stunde) können relative Kontraindikationen für eine tagesklinische Behandlung sein.