MRSA und andere multiresistente Erreger

Leben und Überleben des Menschen ist nur mit Keimen verschiedenster Art möglich. Im Rahmen der Evolution des Menschen hat sich mit vielen Organismen und Keinem eine symbiontische Lebensgemeinschaft eingestellt. Wie gut diese funktioniert, wird uns erst bewusst, wenn es im Krankheitsfall zur Störung dieser Lebensgemeinschaft kommt.

Viele Keime, die um uns aber auch auf und in uns leben, sind oft auch potentielle Krankheitserreger. Besondere Bedeutung erlangen hier verschiedenste Keime, die auf vielen verschiedenen Wegen Resistenzen gegen moderne Antibiotika entwickelt haben. Nachdem in den 60er Jahren schon euphorisch das Ende der Infektionen proklamiert wurde, wird immer klarer, dass eher eine immerwährende Rüstungsspirale eingeleitet wurde im Kampf der Mikroben um's Überleben und im Bestreben der Menschen die Infektionen auszurotten.

Da seit Jahrzehnten keine Entwicklung neuer Antibiotikasubstanzgruppen mehr betrieben wird, auch aus Kostengründen, ist der Kampf gegen sogenannte multiresistente Mikroben immer schwieriger geworden.

Besonders bekannt geworden ist hierbei der MRSA (Methicillin/multiresistenter Staphylococcus aureus) ein kugelförmiger in Haufen angeordneter nicht beweglicher Bacillus, der überall in der Natur auf der Haut und in den oberen Atemwegen bei vielen Menschen vorkommt. Man spricht hier von einem Kolonisationskeim. Kommt es durch besondere Umstände zu einer Immunschwächung kann der Keim sich ausbreiten und verschiedenste Erkrankungen auslösen. Der Keim hat viele Faktoren, die das Immunsystem überlisten können und es ihm möglich machen in Gewebe einzudringen. Zusätzlich kann er potentiell mehrere Toxine bilden, die ihn extrem aggressiv und gefährlich machen. Zusätzlich ist er ziemlich unempfindlich gegen Austrocknung und kann lange persistieren. Er zählt deswegen zu den wichtigsten Erregern im Krankenhaus erworbener Infektionen.

Staphylococcus aureus kann über Haut und Schleimhäute von Mensch und Tier aufgenommen und leicht durch Husten und Niesen übertragen werden. Der MRSA hat anders als der normale Staphylococcus aureus eine Resistenz gegen viele Antibiotikasubstanzklassen, was es sehr schwierig macht bei Infektionen noch wirksame Antibiotika zu finden. Erstmals beschrieben wurde dieser Keim Anfang der 1960er Jahre in Großbritannien. Mittlerweile kann er auf der ganzen Welt nachgewiesen werden.

Gegen Antibiotika resistente Erreger kommen immer dort vor, wo ständig Antibiotika eingesetzt werden also im Krankenhaus, Gesundheitseinrichtungen, Tiermastbetrieben, Veterinärmedizin, usw.... Da Resistenzgene auch artübergreifend von unterschiedlichen Bakterienspezies weitergegeben werden können, kann es im Einzelfall sehr schnell zu einer flächendeckenden Resistenzentwicklung kommen. Wie diese Prozesse im Einzelnen funktionieren ist aber bis in die Details noch nicht geklärt.

Da es in der Natur viele antiobiotische Substanzen gibt, die von Tieren und Pflanzen eingesetzt werden, stehen Bakterien schon seit Jahrmillionen im ständigen Abwehrkampf gegen solche Substanzen. Interessant sind die Unterschiede in der Verteilung dieser Keime in Ländern mit ähnlich entwickeltem Gesundheitssystem. Hier gibt es "Durchseuchungen" in den Krankenhäusern, die sich je nach den getroffenen Maßnahmen sehr deutlich unterscheiden. Wahrscheinlich kann durch konsequente Hygienemaßnahmen und konsequenten Antibiotikaeinsatz nach strengen, vorgegebenen Richtlinien eine Minderung der MRSA-Raten in Gesundheitseinrichtungen erreicht werden, wie dies insbesondere in den Niederlanden gelungen ist. In den meisten Krankenhäusern gibt es daher mittlerweile ein Screeningritual bei der Aufnahme, um MRSA-Träger vor Aufnahme in's Krankenhaus zu identifizieren und gegebenenfalls zu isolieren, um eine Weiterverbreitung dieses Keims zu unterbinden.

Häufige Fragen

Ist ein MRSA Nachweis für den Patienten gefährlich?
Die alleinige Besiedelung mit MRSA ist nicht gefährlich, die normale Standortflora zum Beispiel im Mund- und Rachen-Raum lebt mit ihrem Menschenwirt in Symbiose. Die Standortflora mit oder ohne MRSA schützt ihr Biotop vor der Besiedelung mit anderen möglicherweise aggressiveren und pathologischeren Keimen. MRSA-Träger oder Träger anderer multiresistenter Keime sind also Menschen bei denen diese resistenten Keime zu einem Teil der natürlichen Körperflora geworden sind. Der alleinige Nachweis solcher Keime ist für den Träger nicht gefährlich! Es bestehen auch keine Krankheitssymptome. Infektionsrisiken bestehen in der Regel vor allem für Patienten mit einem besonderen Risikoprofil und/oder chronischen Wunden.

Unabhängig vom Krankheitsrisiko ist als unumstrittene Maßnahme bei allen multiresistenten Keimen, aber auch zur Vermeidung anderer Infektionserkrankungen, die Indikation zu Händedesinfektion gegeben. Die nachhaltige Wirkung ist hier wissenschaftlich nachgewiesen! Die Verschleppung von Keimen erfolgt nachweislich in den meisten Fällen von einem Menschen zum anderen über die Hände von Zwischenträgern.

Besteht Gefahr für Besucher?
Für gesunde Menschen mit einer normalen Hautflora bei gesunder Haut ist das Risiko einen MRSA-Keim zu akquirieren verschwindend gering, die Gefahr einer MRSA-Infektion ist dabei sogar noch geringer. Normaler Kontakt ist ebenfalls ungefährlich. Im Krankenhaus sollte nach Kontakt mit einem MRSA-Patienten zur Vermeidung einer Keim-Verschleppung eine gründlichere Hautdesinfektion erfolgen, als dies im normalen häuslichen Umfeld durchgeführt wird. Außerdem erfolgt in den meisten Krankenhäusern eine Isolation der MRSA-Patienten und es werden Mundschutz, Haube, Einmalkittel und Handschuhe für Besucher zur Verfügung gestellt. Dies erfolgt alles zur Vermeidung von Keimverschleppungen und hat nicht mit der Gefährlichkeit des Erregers für den Besucher selber zu tun.

Wie muß ich mich mit MRSA-Besiedelung oder anderen multiresistenten Keimen verhalten, wenn ich aus dem Krankenhaus entlassen bin?
Irritationen entstehen oft, wenn MRSA-Patienten im Krankenhaus isoliert werden und nach Entlassung nach Hause oder in ein Pflegeheim nicht mehr isoliert sind. In der Klinik liegt eine besondere Konzentration besonders kranker Menschen vor, oft mit Wunden und mit Immunsuppression. Außerdem findet eine besonders intensive Pflege statt - mit hunderten bis tausenden von Handkontakten mit unterschiedlichen Menschen - und ein sehr hoher Anteil der Patienten erhält unterschiedliche Antibiotika. Wenn diese Faktoren nicht mehr gegeben sind, sinkt das Risiko MRSA zu übertragen deutlich und die Standardhygiene reicht aus. Auch ist eine Isolierung von Menschen im  Altenheim alleine aufgrund ethischer Gründe nicht gewünscht. Eine Teilnahme aller Altenheimbewohner am Gemeinschaftsleben ist ausdrücklich erwünscht und sinnvoll.

Anders ist die Situation bei Menschen mit Wunden, Kathetern, Tracheostoma, PEG-Sonden, usw. , die eine potentielle Eintrittspfote für Keime jeglicher Art sein können, Menschen mit geschwächter Abwehrlage und Kombinationsträgern verschiedener multiresistenter Keime. Hier muß speziell im Alten- und Pflegeheim eine individuelle Einschätzung über die einzuleitenden Maßnahmen getroffen werden.

Sollte eine "Dekolonisation" mit Antiseptika und/oder antibiotisch wirksamen Nasensalben erfolgen, dann nur bei Patienten ohne sanierungshemmende Faktoren wie zum Beispiel chronischen Wunden, Nachweis im Magen-Darm-Trakt, chronische Sinusitis, Rhinitis, usw..

Sehr wichtig ist generell die Information für die weiterbehandelnde Institution/Hausarzt über den aktuellen Sanierungsstand, Kolonisation, Keimart und die Mitgabe der relevanten mikrobiologischen Befunde.

Generell gilt auch hier im ambulanten Sektor die Einhaltung der Standardhygiene mit regelmäßigen Händewaschen und Händedesinfektion.