Venöses Ulcus cruris

Im öffentlichen Bewusstsein gelten Krampfadern noch immer als ästhetisches/kosmetisches Problem. Das führt dazu, dass die meisten Betroffenen viel zu spät zum Arzt gehen.

Aufgrund der schwer zu behandelnden Spätfolgen wie dem Ulcus cruris ist die Krampfadererkrankung eine der teuersten Erkrankungen im Deutschen Gesundheitssystem. Etwa eine Million bis 1,5 Millionen Patienten leiden in Deutschland unter einem Ulcus cruris, davon 26 Prozent Männer und 74 Prozent Frauen. 80 Prozent dieser Ulcerationen sind venös bedingt. Die meisten übrigen Ulcerationen haben eine arterielle Genese. Der Altersgipfel liegt bei etwa 60 Jahren.

Im Wesentlichen sind es zwei Ursachen, die zu einem venösen Ulcus führen

  1. die Krampfadererkrankung
  2. das sogenannte postthrombotische Syndrom also der Folgezustand nach tiefer Beinvenenthrombose

Das Ulcus cruris venosum (= "offenes Bein"). Ist also ein Haut- und Gewebeuntergang aufgrund eines fortgeschrittenen Venenleidens mit Rückstau des venösen Blutes im Bein. Das Ulcus cruris tritt als schmerzhafter Substanzdefekt meistens am unteren inneren Unterschenkel und im Bereich des Innenknöchels auf, seltener findet sich die ausgeprägte Form des Gamaschenulcus, einem Ulcus welches bereits den gesamten Unterschenkel umfasst. In der Umgebung findet man die typischen Hautveränderungen bei chronisch venöser Insuffizienz, die Atrophie blanche (weiße Atrophie der Haut), die Hyperpigmentierung (bräunliche Flecken der Haut) und die Dermatofasziosklerose (Vernarbung und Verhärtung der Weichteilstrukturen bis hin zur Verknöcherung der Weichteile).

Tritt das venöse Ulcus in Kombination mit einer peripheren arteriellen Verschlußerkrankung auf, spricht man von einem Ulcus cruris mixtum, das im Einzelfall noch schwerer zu behandeln ist.

Das Ziel der Behandlung ist vor allen Dingen die Verminderung des venösen Blutstaus im Bein. Als erste Maßnahme ist hier die Kompressionstherapie zu nennen. Deren Ziel ist es, Druck und Volumenbelastung zu reduzieren. Nach Identifizierung der venösen Störung kann dann zusätzlich die stadiengerechte Varizensanierung durchgeführt werden. Zusätzlich finden dann noch die pneumatische intermittierende Lymphdrainage und/oder manuelle Lymphdrainagebehandlung ihre Anwendung.

Bei ausgedehnteren Fällen - wie zum Beispiel dem Gamaschenulcus - kommt die VAC-Therapie und gegebenenfalls Fasziotomie und Fasziektomie zur Anwendung, das heißt ausgedehnte Wundeingriffe mit langwierigen Verbandstherapieverfahren in Kombination mit Varizensanierung, Lymphdrainagebehandlung und medikamentöser Therapie zur Flüssigkeitsausschwemmung zur Ödemreduzierung. Wird dann eine saubere Granulation (= sauberer rötlicher Wundgrund) erreicht, muss die Wunde durch eine Hautverpflanzung (z.B. einer Mesh-Graft-Plastik) wieder gedeckt werden. Leider ist im Einzelfall die Rückfallrate nicht unerheblich (>30 Prozent), insbesondere wenn ausgeprägte Spätstadien vorliegen - besonders im Rahmen eines postthrombotischen Syndroms.

Die volkswirtschaftliche Belastung durch diese Ulcerationen liegt bei etwa zwei Milliarden Euro. In den 90er Jahren wurden Daten erhoben die zwei Millionen Arbeitsunfähigkeitstage ergaben mit 1,2 Millionen Krankenhausbehandlungstagen! Krampfadern mit dem potentiellen Risiko eines Ulcus sind deswegen keine harmlose, kosmetisch/ästhetische Erkrankung und müssen frühzeitig mittels Ultraschalldiagnostik evaluiert und stadiengerecht saniert werden.