Aortenaneurysma

Viele berühmte Menschen wie Albert Einstein, Thomas Mann, Charles de Gaulle, Leonid Breschenew oder Erich Maria Remarque sind an einem geplatzten Aortenaneurysma verstorben. Ein Aneurysma kann heute frühzeitig und einfach durch Ultraschall diagnostiziert und besser als früher behandelt werden.

Generell versteht man unter einem Aneurysma eine Erweiterung eines Blutgefäßes. Es kann prinzipiell am venösen und arteriellen Gefäßbaum auftreten. Am häufigsten und gefährlichsten ist die Erweiterung/Aussackung der Bauchschlagader (= Aorta, normaler Durchmesser bis 2,7 cm, ab 2,9-3 cm Ektasie bzw. Aneurysma).

Aneurysmata können aber an allen Gefäßen vom Kopf bis zum Fuß entstehen. In Reihenuntersuchungen konnte eine Häufigkeit der Aneurysmata der Bauchschlagader von 5-7% bei allen über 65-Jährigen nachgewiesen werden. Beim Bauchaortenaneurysma werden drei Formen unterschieden. Das asymptomatische Aneurysma ohne Beschwerden, das meist durch Zufall entdeckt wird, das symptomatische Aneurysma, also das Aneurysma, welches schon zu unspezifischen Beschwerden führt und die gefährlichste Form, dem geplatzten (= rupturierten) Aneurysma, das sehr häufig zum Tode führt.

Die Symptome sind beim Bauchaortenaneurysma schwer zu erkennen, da sie sehr unspezifisch sind und leicht mit anderen Krankheitsbildern verwechselt werden können. Das häufigste unspezifische Symptom sind Rückenschmerzen und Flankenschmerzen. Die Ursachen für die Aneurysmabildung sind nicht bis in die Details geklärt. Insbesondere ist nicht ganz klar ob Aneurysmata eine Variante der Arteriosklerose darstellen oder sogar zum Kreis der Vaskulitiditen (= Gefäßentzündungen) gezählt werden müssen. Es gibt eine genetische Komponente der Vererbung und viele Risikofaktoren, die die Erkrankung zwar nicht auslösen aber deutlich beschleunigen können, wie zum Beispiel die arterielle Hypertonie (= Bluthochdruck) und der Nikotinmissbrauch. Wird eine bestimmte Größe (in großen Studien 5-5,5 cm) des maximalen Durchmessers der Bauchschlagader überschritten, steigt das Risiko einer Ruptur (= Platzen der Bauchschlagader mit der Gefahr des inneren Verblutens) sukzessive an und die Gefahr des Spontanverlaufs ist dann deutlich höher als die Gefahr eines Eingriffs zur Ausschaltung des Aneurysmas. Es kann aber auch durch Verschleppen von Gerinselmaterial zum Verschluss einer Beinarterie kommen, mit der Gefahr einer Ischämie der Beinarterien.

Es gibt zwei Arten der Aneurysmaversorgung, wenn eine Ausschaltung des Aneurysmas aufgrund der Größe der Konfiguration und aufgrund von Komplikationen geboten ist

  1. die endovaskuläre Versorgung mittels Stentsystem (ummantelte Gefäßstütze) mit der Versorgung von Innen über beide Leistenarterien
  2. die konventionelle offene Operation mit Ausschaltung durch eine Kunststoffprothesenimplantation über Eröffnung des Bauchraumes

Dabei muss bedacht werden, dass 70 % aller Aneurysmapatienten nicht an ihrem Aneurysma, sondern meist an ihren cardiovaskulären Erkrankungen (= Herzinfarkt) versterben. Deshalb ist vor Therapieentscheidungen immer der Gesamtzustand des Patienten und sein Alter mit einzubeziehen. Andererseits versterben bei einer Ruptur des Aneurysmas mehr als 50 % der Patienten. In Deutschland werden jährlich etwa 10.000 Operationen an der Bauchschlagader bei Aneurysmata durchgeführt.