
Die Anfänge
1912 reagiert die engagierte Lehrerin Karolina Burger auf die sozialen Missstände in der jungen Industriestadt Ludwigshafen und nimmt in Not geratene arme unverheiratete Mädchen und Frauen – besonders während der Schwangerschaft – bei sich auf. Da viele Hilfesuchende abgewiesen werden müssen, mietet sie ein großes Haus in der Königsstraße für ein Fürsorgeheim an und gründet mit Gleichgesinnten Frauen einen Fürsorgeverein, der später im Katholischen Fürsorgeverein für Mädchen, Frauen und Kinder aufgeht. 1916 stellt das „Institut der Armen Schulschwestern“ aus Speyer (heute Institut St. Dominikus) vier Schwestern zur Mithilfe im Fürsorgeheim zur Verfügung. Es fehlt oft am Nötigsten. Aus dieser Not heraus eröffnen die Schwestern eine öffentliche Wäscherei, die zu einer wichtigen Einnahmequelle für das Heim wird. Es gibt so viele Hilfebedürftige, dass zwei Jahre später weitere sechs Schwestern aus Speyer dazu kommen. 1925 wird ein Seitenbau errichtet, 1927 das Haus Königstraße 51 gekauft und im Fürsorgeheim zusätzlich ein kleines Krankenhaus eröffnet. Für den ganzen Komplex wählt Karoline Burger die Heilige Anna als Schutzheilige. 1928 gibt es bereits drei Betten für Entbindungen, 10 bis 12 Säuglings- und Kinderbetten und 20 Betten für internistische, chirurgische und orthopädische Erwachsene Patienten. Es folgt die Gründung der ersten Säuglingspflegerinnenschule der Pfalz, in der 15 bis 20 Mädchen und Ordensschwestern in Jahreskursen ausgebildet werden. 1929 werden im St. Annastiftskrankenhaus 150 Kinder betreut. 1931 erfolgt die Angliederung des Hauses an den pfälzischen Krankenhausverband.
1932-1952
Die Schwierigkeiten während des Nationalsozialismus und später während des Krieges, der Versorgungsnotstand und die vielen Luftangriffe auf Ludwigshafen, fordern oft die letzten Kräfte der Schwestern und des übrigen Personals. Beim 23. Luftangriff auf Ludwigshafen am 27. Mai 1944 wird dann das St. Annastift zu 80 Prozent zerstört. Auch Tote waren zu beklagen. Nach Einzug der Amerikaner 1945 erfolgt mit erheblichem finanziellem Aufwand die Instandsetzung der Kinderabteilung, des Fürsorgeheims und der Operationsräume. 1949 wird ein Auffangheim mit 20 Betten eingerichtet. Die Schwestern legen selbst mit Hand an und die Polizei Ludwigshafen stellt Leute für den Ausbau zur Verfügung. 1952 beginnt man mit der Planung einer neuen modernen großen Kinderklinik.
1953-1975
Am 27. Oktober 1953 wird das heutige Kinderkrankenhaus an der Hauptstraße (heutige Mundenheimer Straße) – als erste Kinderklinik in der Pfalz - von Bischof Dr. Emanuel eröffnet. Im selben Jahr wird ein kleines Wohnhaus in der Königsstraße für die Unterbringung der Kleinkinder gekauft, 1957 der alte Seitenbau für Schülerinnen aufgestockt und 1960 ein Wohnhaus für Ärzte gebaut. Das nach damaligem Standard hochmoderne Krankenhaus mit 100 Betten wird im Belegarztsystem geführt bis 1962 Prof. Helmut Karte als Chefarzt mit seinen Assistenzärzten die ärztliche Betreuung übernimmt. Um Patienten mit Infektionskrankheiten besser unterzubringen, wird 1963 ein weiterer Baukörper in Betrieb genommen. Bereits zwei Jahre später beginnt der Bau eines weiteren Erweiterungsbaus für Kinderklinik, Entbindungsstation und Kinder- und Erziehungsheim, der im Oktober 1967 in Betrieb genommen wird. Nun wird der Haupteingang auch wieder an die ehemalige Königsstraße – jetzt Karolina-Burger-Straße – verlegt. 1975 wird das neue Personalwohnheim mit der Kinderkrankenpflegeschule seiner Bestimmung übergeben.
1976-1984
Wegen der Zunahme psychosomatischer Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter wird im April 1976 im St. Annastift eine psychosomatische Station für Kinder gegründet. In der Pioniereinrichtung werden Kinder mit den Krankheiten Einnässen, Einkoten, Magersucht, Übergewicht, Schulphobien und weiteren Verhaltensauffälligkeiten versorgt. Häufig gibt es mehr Anfragen für die acht Planbetten als mögliche Aufnahmen. 1982 bekommt die Station offiziell den Namen „St. Lukas" und wird Ausbildungsstätte. Das Spektrum der Krankheitsbilder erweitert sich zunehmend und auch Patienten mit Asthma bronchiale, Morbus Crohn (wiederkehrende Entzündungen des Darms), hyperkinetischem Syndrom (Übererregbarkeit) und genetisch bedingten Stoffwechselerkrankungen wie Mukoviszidose und Diabetes, sowie mit frühkindlichen Essstörungen, Ein- und Durchschlafstörungen und erste Kinder nach sexuellem Missbrauch werden aufgenommen. 1984 löst sich der Katholische Fürsorgeverein auf und das Institut St. Dominikus, Speyer, übernimmt die Trägerschaft.
1985-2001
1985 fusionieren das St. Marienkrankenhaus und die Kinderklinik St. Annastift. Das Krankenhaus trägt nun den Namen St. Marien- und St. Annastiftskrankenhaus und besteht aus zwei Betriebsteilen. Im selben Jahr beginnt Professor Christoph-Hein Dominick als neuer Chefarzt. Im Herbst 1993 wird mit der Gesamtsanierung der Kinderklinik begonnen, im Folgejahr ein Erweiterungsbau mit neuem Eingangsbereich in Betrieb genommen, Ende 1996 die Klinik um einen Anbau auf der Westseite mit Funktionsräumen und einem neuen Labortrakt ergänzt. Im März 1998 kann die erste komplett umgebaute Station in Betrieb genommen werden. Im weiteren Verlauf der Sanierung werden auch im übrigen Gebäude die Patientenzimmer neu gestaltet und Nasszellen eingebaut und die Kalt- und Warmwasseraufbereitung vollkommen erneuert. Um die Verlegung von Frühgeborenen und kranken Neugeborenen vom St. Marienkrankenhaus ins etwa zwei Kilometer entfernte St. Annastift zu vermeiden wird im Oktober 1999 eine Dependance der Neonatologie (Früh- und Neugeborenenabteilung) im St. Marienkrankenhaus mit sechs Betten eröffnet. Im September 2001 wird die seit September 1928 bestehende staatlich anerkannte Kinderkrankenpflegeschule des St. Annastiftskrankenhauses mit der Krankenpflegeschule am St. Marienkrankenhaus zusammengeschlossen.
2002-2004
Im September 2002 kann der Abschluss der Gesamtsanierung der Kinderklinik nach neunjähriger Bauzeit mit einem Festakt und der Gesundheitsministerin Malu Dreyer gefeiert werden. Land und Krankenhaus haben über 12,2 Millionen Euro in die Sanierung investiert. Am selben Tag wird auch der neue Spielplatz für die kleinen Patienten und ihre Geschwister im Innenhof der Kinderklinik seiner Bestimmung übergeben. Im Oktober wird im St. Annastiftskrankenhaus eine eigenständige Abteilung für Pädiatrische Hämatologie, Onkologie und Immunologie unter der Leitung von Chefärztin Dr. Barbara Selle eingerichtet. Sie ist darauf spezialisiert, Kinder und Jugendliche mit Krebserkrankungen, Erkrankungen des Blutes und des Abwehrsystems zu behandeln und bietet damit als eines von drei solcher hochspezialisierten Zentren in Rheinland-Pfalz für diese Patienten die Möglichkeit der wohnortnahen Behandlung. Im November desselben Jahres wird der Abschluss der durch brandschutztechnische Auflagen notwendig gewordenen dreijährigen Generalsanierung des Kinderheims (Kosten 2,5 Millionen Euro) mit einem Tag der offenen Tür gefeiert. Die hier betreuten Kinder wohnen nun in fünf familienanalog geführten Gruppen.
Die vielfältigen Krankheiten, die in der Kinderklinik St. Annastift behandelt werden, erfordern häufig spezielle radiologische Untersuchungsverfahren. Um diese Anforderungen kindgerecht erfüllen zu können, erfolgen seit 2004 Computertomographie und Kernspinuntersuchungen unter Leitung der Fachärztin für Kinderradiologie Privatdozentin Dr. Wiltrud Rohrschneider.
2005-2006
Im Januar 2005 beginnt der neue Chefarzt der Allgemeinpädiatrie und Neonatologie Privatdozent Dr. Ulrich Merz seine Tätigkeit. Im Juli 2005 wird die neue Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie unter der Leitung von Chefarzt Dr. Jochen Gehrmann eröffnet. Gestartet wird mit einer Institutsambulanz in komplett renovierten Räumen im Personalwohnheim. Die Institutsambulanz bietet individuelle Diagnostik, einschließlich einer Testdiagnostik, eine körperlich-neurologische Untersuchung bzw. EEG-Ableitung, eine differenzierte Beratung und gegebenenfalls eine längerfristige Behandlung und zusätzliche Sprechstunden an. Im Oktober wird die Institutsambulanz durch eine Tagesklinik mit 20 Behandlungsplätzen ergänzt. Für die Einrichtung werden insgesamt 1,5 Millionen Euro investiert, von denen 1 Million vom Land gefördert wurden. Im Rahmen der Einrichtung des Perinatalzentrums (Zentrum rund um die Geburt höchster Qualität) am St. Marienkrankenhaus wird die Neu- und Frühgeborenenintensivstation, die zum St. Annastift gehört, auf eine Zahl von 14 Betten hochmodern erweitert. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 75. Jubiläum des St. Marienkrankenhauses wird das neue Perinatalzentrum am 16. September durch Weihbischof Otto Georgens unter der Schirmherrschaft von Ministerin Malu Dreyer offiziell eröffnet und gesegnet. Am 6. März 2006 nimmt die über mehrere Monate wegen des Umbaus geschlossene psychosomatische Station Lukas in neuen Räumlichkeiten im 2. Stock des Personalswohnheims wieder ihre Arbeit auf. Am 05. April wird dieses Jubiläum zusammen mit dem Begründer der stationären pädiatrischen Psychosomatik in der Vorderpfalz Prof. Dr. Helmut Karte und vielen anderen Gästen gebührend gefeiert.
Heute
Heute werden im Jahr über 4000 kranke Kinder im St. Annastiftskrankenhaus stationär versorgt und über 10000 ambulante Untersuchungen durchgeführt. Die zweitgrößte Kinderklinik in Rheinland-Pfalz verfügt über 80 vollstationäre und vier tagesklinische Betten (dazu kommen noch die 20 Plätze der Kinder- und Jugendpsychiatrie). Mit Ausnahme der invasiven Kinderkardiologie und der Kinderdialyse werden sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich alle Spezialgebiete der Kinderheilkunde angeboten. Schwerpunkte bilden neben der Neugeborenenmedizin die Betreuung von Kindern mit Atemwegserkrankungen und Allergien, Mukoviszidose, Diabetes mellitus, Erkrankungen des Hormonhaushaltes, Fehlbildungen des Harntraktes, Epilepsien und psychosomatischen Erkrankungen (Chefarzt Privatdozent Dr. Ulrich Merz). Krebskranke Kinder werden auf höchstem Qualitätsniveau in einer eigenen Abteilung für Hämatologie und Onkologie versorgt (Chefärztin Dr. Barbara Selle). Die Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie füllt mit einer Ambulanz und einer Tagesklinik den Versorgungsnotstand für psychisch kranke und verhaltensauffällige Kinder in der Vorderpfalz (Chefarzt Dr. Jochen Gehrmann). Aus dem kleinen Fürsorgeheim der Anfangsjahre ist heute ein leistungsstarkes Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin für die gesamte Region geworden.
Neben der Kinderklinik St. Annastift gehört zum Komplex auch heute noch ein Kinderheim, das den gleichen Namen trägt. Hier werden über 60 Kinder in fünf altersgemischten Wohngruppen betreut. Es handelt sich zum größten Teil um Sozialwaisen. Junge Schwangere und minderjährige Mütter mit ihren Kindern werden in Wohngruppen integriert und beim Schrittweisen Verselbständigen unterstützt. Etwas Besonderes ist das Projekt Familiennest, hier lebt eine Familie in einer eigenen Wohneinheit mit dem Ziel das Familienleben und die einzelnen Mitglieder zu stärken.

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